Eine Nation, die sich als Opfer der Geschichte fühlt, läßt andere Täter sein.

Von 1933 bis 1945 waren es die Nationalsozialisten, die das Schicksal Europas bestimmten. Als Täter und Tatenlose konsumierten deutsche Untertanen die neue Geborgenheit, die neue Religion des Wahns - als ob es nie Hölderlin, Bach, Goethe, Beethoven, Mendelssohn, Hegel, Kant gegeben hätte - nie ein aufgeklärtes Bürgertum.

Ein Volk ohne Demut, ohne Besinnung, ohne Skrupel ? Weil man mit Teilen zufrieden war, duldete man alles - andere Kulturen verachtend.

Viele, auch im nationalsozialistischen Deutschland, erlebten den Terror alltäglich. Sie leisteten Widerstand, sie wurden verfolgt und ermordet. Am Ende war der Krieg verloren, den Frieden hatte man gewonnen.

Der Frühsommer im Mai 1945 soll einer der schönsten Sommer in Europa gewesen sein. Die Luft flirrte. Der Krieg war zu Ende. Die Sonne schien - klar und hell, wie erzählt wird, wärmend und verwesend.

Millionen von Toten. Die Städte nur noch Gerippe. Verkommene Formen für Toleranz und Freiheit und soziales Verhalten - im Alltag und in der Politik.

Eine Nation mit dem Hang zur Arroganz, mit dem Zwang zur Herrschaft und Vorherrschaft über andere war abgetreten. Viele, die Widerstand geleistet hatten, waren tot. Viele junge Menschen in Griechenland, in Polen, Italien, in der Sowjetunion, Frankreich, Spanien und Deutschland.